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Donnerstag, 3. September 2015

Die Sommerpause ist vorbei. 

Der Herbst ist da.
Ich versuche, mich damit abzufinden, dass es um halb neun schon wieder dunkel ist.
Ich update meine Autumn-Playlist.
Ich habe schon ein Drittel meiner Probezeit überstanden.
Ich habe beschlossen, mich Luise anzuschließen - und auszumisten. 
 Und ich bin umgezogen. Nein, nicht schon wieder privat (obwohl dann das mit dem Ausmisten auch Sinn machen würde).

Der Blog wird umziehen! 
Endlich hab ich auch den Schritt zu Wordpress gewagt. Und auch, wenn ich noch keine eigene Domain habe, weil ich Angst vor der dann folgenden Arbeit hab, hab ich mir gedacht, dass es nicht schaden kann, schon mal alles drüben bei Wordpress zu haben.

Also hab ich den gesamten August ausgemistet, Posts überarbeitet und kaputte Links und Fotos ersetzt. Manch ein Eintrag ist rausgeflogen, muss ich gestehen und viel zu viele sind noch nicht auf Englisch übersetzt. Aber es wird!

Wer mir bisher nur hier auf Blogger mit dem ollen Google Friend Connect oder mit Bloglovin folgt, der kann keine neuen Posts mehr sehe, wenn ich mal umgezogen bin.

Deswegen klickt jetzt alle schnell mal auf ein Daumen hoch bei Facebook (hier) oder ein Follow bei Bloglovin (hier) damit ihr nix verpasst.

Und jetzt Vorhang auf für das neue Diary: Hier entlang, bitte

Ich freu mich, euch "drüben" wieder zu lesen!


[Explored] The Colours of Autumn Quelle: Alex Loach via flickr.com
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Sonntag, 2. August 2015

[Das Wort zum Sonntag] The fear of being your true self.

Letztes Wochenende bin ich über diesen Artikel von ›From Roses‹ gestolpert – über die Angst, man selbst zu sein. Der erste Gedanke, den ich dabei hatte, war der Spruch: Always be yourself. Unless you can be a unicorn. Then alwys be a unicorn. Weil ich finde, dass das ziemlich genau das Ausmaß trifft, in dem die meisten Menschen sie selbst sein möchten. Jeder möchte die glitzerndste, schillerndste, witzigste und sexiest Version seiner selbst sein, wenn er von anderen Menschen umgeben ist - ich selbst nicht ausgeschlossen. 

Und warum? Weil es eine ziemlich angsteinflößende, Spontanpanik auslösende Vorstellung ist, vor anderen – und vor allem fremden – Menschen, ganz man selbst zu sein. Es gibt ja schließlich nur einen ersten Eindruck, und der soll bitte ein Guter sein. 
Wir behandeln unser Selbst ein bisschen so wie ein Tourette-Syndrom – wir versuchen es verzweifelt, zu unterdrücken, aber manchmal, da passen wir eben einen Augenblick nicht auf und es rutscht raus. Ein Lacher über politisch inkorrekte Witze, ein Rülpser nach Biergenuss, eine unbedachte zutiefst morbide Bemerkung, eine Traumvorstellung, die unser Innerstes offenbart, ein Mitsingen bei Taylor Swift oder ein heimliches Nase popeln. Und dann ist es uns endpeinlich und wir tun so, als würde das normalerweise eh nie vorkommen. 

Dabei gibt es sicher Menschen, die Sarkasmus verstehen oder die insgeheim auch Taylor Swift gut finden oder die sich seltsame Single-Angewohnheiten in ihrer kleinen Einzimmer-Bude angewöhnt haben oder die die gleichen verrückten Träume haben wie ich und eher Hannibal Lecter ihre eigene Zunge verfüttern würden, statt sich die Blöße zu geben, darüber zu sprechen. Weil ich glaube, darum genau geht’s: Sich selbst völlig zu entblößen, mit allen Stärken und Schwächen und Ticks und Problemen - das will sich niemand antun. Weil im Grunde genommen jeder von uns akzeptiert und gemocht werden will und weil wir schon in die Wiege gelegt bekommen, uns nicht so daneben zu benehmen, dass wir negativ auffallen. 

Dabei kann uns nicht jeder mögen. Und es gibt auch definitiv Menschen, die ich selbst nicht mögen mag. So simpel ist das. Statt unserer regenbögenpupsenden Einhorn-Version sollten wir deswegen echt mal öfter wir Selbst sein, mit allen Merkwürdigkeiten und Verrücktheiten und Eigenarten. Dabei könnten wir nämlich merken, dass es tatsächlich wundersame Menschen gibt, die im Grunde ihres Herzens genauso seltsam sind wir wir. 
Und wenn ich dann wirklich mal bei einem Menschen ganz ich Selbst sein kann – inklusive Schweinchen-Grunzen, das mir hin und wieder mal bei einem Lacher entfernt, schwarzem Sarkasmus, verrückten Traumvorstellungen vom Auslandskorrespondenten-Leben und Pickeln auf der Nase – und er findet mich dann immer noch so toll, dass er freiwillig weiter Zeit mit mir verbringt, dann ist das einfach das geilste Gefühl überhaupt. 


Last weekend I came across this article from Rebecca from ›From Roses‹. She was writing about the fear of being yourself. My first thought was: Always be yourself. Unless you can be a unicorn. Then always be a unicorn. I think this saying describes quite exactly what we want to be: We all want to be our funniest, sexiest and shiniest selfes. Especially when we are around people. I am absolutely no exception here.

But why is that? I guess it is because most of us are simply freaked out by the thought of being completely ourselves in front of other people - especially in front of strangers. I mean, there's this thing called first impression, and we strive for it to always be a good one.
We treat our true self like a tourette syndrome sometimes. We desperately try to hide it but sometimes it just bursts out when we are not taking care. A laugh about some politically incorrect joke, a burp after a pint of beer, a morbid and hurtful remark, a dream we carry inside us, singing the refrain of the latest Taylor Swift song or picking one's nose. And then we feel terribly embarrased and pretend things like that normally never happen.

We do so although I am pretty sure there are people who would laugh about sarcastic remarks and who are hidden Taylor Swift fans as well. There are people with weird one-room-single-apartmen-habits out there. People that have the same weird dreams as we have and who would rather sell their tongue to Hannibal Lecter than talk to anyone about it. We don't talk about ourselves. Because showing all your weaknesses and problems and little weird traits leaves you open and exposed. And nobody wants to do that to themselves. Because deep inside we all just want to be loved and accepted the way we are.We are born to the manner to behave normally so as not to make ourselves conspicious. 

But it is fairly impossible to be liked by anybody and everybody. And by the way: There are people wandering that earth who I don't like at all. And there will be people who can't stand to be around me. It's as simple as that. And instead of being our glittery, rainbow-hopping unicorn-version most of the times, we should start being our true selves more often. With all our weird little traits and characteristics and crazy thoughts. We might just discover that there are people that are as weird as us deep down in their hearts.
And comes the moment where I can be my true self with someone - which means oinking laughter, morbid sacarsm, crazy dreams about a foreign correspondents' life and pimples on the nose - and he or she decides that I am worth spending some more time with, it feels pretty freaking awesome!
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Sonntag, 19. Juli 2015

[Das Wort zum Sonntag] Von Trends, die man nicht nachmachen sollte

Es entstehen ja ständig neue Trendwörter. Angefangen von swag über #yolo bis hin zu #Dadbod. Kann man alles easy im Urban Dictionary nachgucken, wenn man mal den Überblick verloren hat.
Es gibt aber auch Wörter für Trends, die einfach nicht verdienen, betitelt zu werden. Was ich früher einfach als Assi-Verhalten betitelt habe, hat sicher keinen Platz im Neudeutsch-Duden verdient, sondern bleibt einfach das – Assi-Verhalten. Wovon ich spreche?


Am Wochenende bin ich im Vice Magazine über den Begriff ›Ghosting‹ gestolpert. Noch nie gehört? Na dann Glück gehabt. Aber passiert ist es euch vermutlich auch schon. Ghosting ist nämlich (Achtung! Achtung! Niveaulosigkeit aus dem Urban Dictionary im Anmarsch!) The act of suddenly ceasing all communication with someone the subject is dating, but no longer wishes to date. This is done in hopes that the ghostee will just “get the hint” and leave the subject alone, as opposed to the subject simply telling them he/she is no longer interested. Ach so, ja klar, lass uns zurück zur Zeichensprache gehen - hat ja mit den Rauchenzeichen bei den Indianern auch unglaublich Erfolg gehabt.

Das ist in meinen Augen nicht nur feige – ich frage mich auch unweigerlich: Hat dir deine Mutter nicht beigebracht, wie man mit seinen Mitmenschen umgeht?
Ich mein, klar, Trennungen sind damit natürlich wesentlich weniger konfrontativ. Man erspart sich Tränen und Geheule, kann sich hinter Gelesen-Symbolen auf Facebook und blauen Whatsapp-Häkchen verstecken und erfolglos so tun, als wäre man vom Erdboden verschwunden, statt dem Gegenüber mitzuteilen, dass es im Partnerschafts-Eignungstest eben nur 49 von 50 notwendigen Punkten erhalten hat – und nicht in die nächste Runde für einen möglichen Paarungskandidaten kommt. Aber Ehrlichkeit liegt den Menschen eben nicht. Der einfache Weg ist immer leichter zu begehen als der steinige und Ehrlichkeit drückt wie ein verdammt großer Kiesel im Schuh.

Außerdem: Hey, was jetzt offiziell einen Namen hat, kann doch jetzt auch offiziell praktiziert werden, oder? Das ist wie Bikram Yoga oder Slacklining – da liegt man voll im Trend, nicht?

NEIN, Gosting ist und bleibt eins: Eine echte Respektlosigkeit gegenüber einem Menschen, von dem erstmal völlig egal ist, ob man mit ihm eine rosige Reihenhauszukunft erträumen konnte oder nicht. Fakt ist, man hat mit dieser Person Zeit verbracht. Und Fakt ist, dass ebendiese Person dann zumindest verdient hat, wie eine behandelt zu werden: Mit Respekt und Ehrlichkeit. Auch wenn’s weh tut - und ganz ehrlich: Jemand, der sogar zu feige ist, ehrlich seine Meinung zu sagen - wollt ihr mit dem zusammen sein? Na eben....

Ansonsten bleibt ihr nämlich für den Rest der Ewigkeit eins: Der schlecht erzogene Arsch mit dem Assi-Verhalten.
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Sonntag, 12. Juli 2015

[Das Wort zum Sonntag] Somewhere in the Middle

Ich versuche, auf dem Boden von meiner Weinschorle das Zugehörigkeitsgefühl zu finden. Aber da ist nix. Könnte auch daran liegen, dass ich kein Weinglas in der Hand halte, sondern einen Halbliter Maßkrug. Oder dass sich eine Limettenscheibe in mein Glas verirrt hat und jetzt traurig am Boden rumdümpelt, weil der Kellner wohl den Unterschied zwischen Hugo und Weinschorle nicht kennt. Die Bierbank gegenüber schunkelt im Takt zur Musik.
»Mogst die ned, die Strietzl?«, fragt mich einer der gestandenen Biertrinker über den verklebten Tisch, »Die sind hald scho a weng laud, gell?«
Ich nicke nur halbherzig. Ja, ja... das liegt alles sicher an den Strietzln, die in ihren roten Westen und mit den weißen Schürzen ganz schön die Kärwa-Bühne rocken. Oder es liegt daran, dass die Situation mich an meine Kindheit erinnert. Und daran, was ich nie gewesen bin.
 
Eins von den coolen Kärwamadln nämlich. Ich hab nicht zu denen gehört, die bis nachts um 10 am Autoscooter abhängen. Nein, neben den blinkenden Disco-Lichtern und den Lautsprechern, die Scooter und Britney Spears über den Schotterplatz der Kirchweih geplärrt haben, war kein Platz für mich. Da bei den Coolen. Eine Geschichte, die sich so sehr wie ein roter Faden durch meine Jugend zieht, dass ich als zweite Konstante nur die Akne anführen kann. Letztere hab ich dank Yves Rocher und Pille inzwischen ja gut im Griff. Für ersteres gibt's aber keine Hormonpräparate, die man schlucken kann, um die Lage zu verbessern. Also hab ich zur Genüge Abende meiner zarten Jugend damit vergeudet, mich zu fragen, warum ich eigentlich nicht dazu gehören kann.

Und jetzt, so gut 12 Jahre später gehör ich immer noch nicht dazu. Nicht zu den Franken der Bucher Kärwa (obwohl mich das jetzt nicht in tiefe Verzweiflung stürzt) und nicht zu den Wirtschaftsstudenten, mit denen ich mir bis vor einem halben Jahr noch den ekelhaft-senfgelben Hörsaal H4 in der WiSo geteilt hab. Zu meinen neuen Kollegen, da gehör ich aber auch irgendwie noch nicht dazu - zu diesen gebildeten Journalisten, die abends auf Vorträge über den Grexit gehen oder sich Karten für den Science Slam kaufen. Und eine von diesen coolen Weltreisenden, die aus Koffern leben und jede Woche woanders aufwachen - wär ich zwar gerne, wär aber einfach auch nix für mich.
Wo gehör ich denn dann jetzt hin, eigentlich?

Ich bin keine richtige Abenteurerin. Ich brauch ein bisschen Komfort, ein kleines bisschen Luxus. Aber nicht so richtig. Ich zieh nen schicken Second-Hand-Laden jeder Michael Kors Tasche vor.
Ich gehör einfach in die Mitte, glaub ich. Ich bin weder das Eine, noch das Andere. Und ich wollte mich dort so gerne wohl fühlen, in der Mitte. Aber ich tu es noch nicht ganz. Es zwickt und zwackt noch. Weil es doch irgendwie langweilig und durchschnittlich klingt.

Is es aber doch gar nicht unbedingt, denk ich mir.
Eigentlich heißt das doch bloß, dass ich meine eigene Gruppe bin, oder? Mit all meinen Facetten. Und das ist in den Zeiten von Hipster-Konformismus und Fake-Individualität ja eigentlich wirklich nix Schlechtes.


EN

I don’t feel like I belong. No matter how hard I clasp my fingers around my glass of wine – there’s no feeling of belonging here. Well… maybe it’s only because these people don’t even know that you never put a lemon into a glass of wine. Ever. The slice is bopping up and down at the bottom of my glass. No, wait, it’s not a glass of wine either. It’s a beer mug of wine. The wooden bench is swinging back and forth because my seat neighbors are swaying to the music. It’s traditional Bavarian brass music. Terrific.
»Don’t you like them, the Strietzels – the band? «, one of the boys – a seasoned beer drinker – asks me, »They are quite loud, no?«
I try a smile. Yeah… I am pretty sure I am only feeling odd and out of place because of the Strietzels‘ music. It’s like being in the matrix. Or like being back in my childhood. 


I’ve never been one of the »swaying to the music«-girls during my teenage years. I was not allowed to sway with the cool kids or to sit beside them at the bumper car ride that was coming to the fair every year. I was listening to Scooter and Britney Spears (sorry, it was the 90s) from afar. Yes, not belonging has been kind of the common thread of my childhood. And acne. But the latter I could just come to grips with by taking the anti-baby pill. The former state was not as easy to improve. Which is basically why I spend too many hours of my youth wondering why I don’t fit into their circle.
         
And now, 12 years later – I still don’t belong there. I don’t belong to the Franconians drinking wine at the annual fair (although that’s not a bad thing I guess) and I don’t belong to the economic students with whom I shared an auditorium for three years. I don’t belong to my new colleagues just yet– these educated journalists who visit science slams and lectures about the Grexit in their free time. Well, and I don’t belong to the group of digital nomads and world travelers that wake up on different beds every week either, although I wish I would. But that’s just not for me.
So the question is: Where do I belong?

I am not the real Indiana-Jones-kind of adventurer. I need some luxury, a nice hotel bed. But I prefer second-hand-shops over all the Michael Kors bags in the world.
It’s the middle where I belong, I guess. I am neither one nor the either. And I always wanted to feel comfortable there, in the middle. Between the cracks. But I just don’t feel comfortable yet. It’s kind of awkward. Unpleasant. And additionally it sounds kind of boring an mediocre.

Is it? Is not belonging anywhere just meaning that nothing special is happening with you? I don’t think so.

Being on the middle means that you are your own group. Your own kind of special person with all these different shades and facets. And is that such a bad thing in times of hipster conformity and fake individuality?
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Sonntag, 28. Juni 2015

[Das Wort zum Sonntag] Those summer nights.

Mein Handy vibriert. Es ist Samstagabend, 20.30 Uhr und ich sortiere gerade meine Rechnungen und Unterlagen für die Steuererklärung (ja, ich weiß, bin mal wieder zu spät dran). "Treffen ums um 10 bei Anna. Kommst du mit?". Ich schau mir den Berg Papiermüll an, der noch auf mich wartet, mein Hals kratzt von einer drohenden Erkältung und seit dem Gewitter vor einer halben Stunde pocht mein Kopf wie ne Gruppe Techno-Fans. Ich überleg 10 Minuten, schmeiß ne Tomapyrin ein und schreib: "Ja, für ne Stunde vielleicht." Vier Weinschorlen und eine Dancing-Session später falle ich um halb 2 ins Bett. Ungeplant glücklich.

Ich bin einer von den Leuten, die nicht besonders spontan sind. Die sich schwer tun, damit, sich nochmal aufzuraffen, wenn man sich schon auf nen faulen Gammelabend auf der Couch eingestellt hat. Chronisch faul und chronisch demotiviert. Aber wie mit ner Runde Joggen um den See, hab ich's noch nie bereut, wenn ich wider alle meiner Pläne, die Nacht mit einem Suits-Marathon zu verbringen, doch den Arsch hoch gekriegt hab und Harvey Specter gegen reale (und tatsächlich sympathische) Menschen ausgetauscht hab. (Einzige Ausnahme: Das Date mit dem Typen, der mich gefragt hat, wann ich mein Tattoo weglasern lassen möchte - so ne Jugendsünde muss ich doch längst bereuen.)
Um mal ehrlich zu sein, hatt ich nämlich die legendärsten Nächte, die besten Gespräche, die Bekanntschaften mit den tollsten Menschen, die besten Drinks und die geilsten Sonnenaufgänge meistens dann, wenn ich mich davor wie ne Kartoffel im Jogginganzug faul auf dem Sofa gesuhlt hab.

Die besten Erinnerungen sammelt man eben nicht daheim vor der Glotze.
Die kann man nur draußen haben, mit Menschen die man mag, in einem Sommer, der noch mehr als genug Zeit hat, einer der Sommer zu sein (zumindest wenn's jetzt irgendwann mal mehr als 16 Grad hat). Und deswegen plädier ich für mehr Spontanität und dafür, mehr Sommernächten die Chance zu geben, eine der besten des Jahres zu werden.


Wie steht's mit euch?
Seid ihr immer  hyper unterwegs oder auch eher so ein Couchpotato wie ich?



EN

My phone rings. Its saturday evening, half past eight and I am busy with sorting out my invoices and paychecks for my tax return (late as always...). It's a Whatsapp message: "Hey, we're meeting at Anna's place at 10. You wanna come with us?" I am looking at all the unsorted invoices, my throat hurts from the cold I just had and I have a terrible headache from thinking too much and from the thundery and sticky weather. I think about it for 10 minutes, take a headache pill and text back: "Joining you for an hour or so." Four glasses of wine and a dancing session later, I am going to bed at half past 2. Happily.   

I have to admit, I am one of these people that are not very spontaneous. I find it difficult to motivate myself to get up and get out once I have been planning to spend a lazy evening in. I know, I'm not exactly kicking ass in that matter. But you almost never regret it if you pull yourself together and spend the night out with real people instead of virtual TV-series characters - even if it's one Harvey Specter. (One exception: that one date where the guy asked me when I am going to get my tattoo removed...)
Well, and to be honest: I had the best talks and met the most interesting people exactly in that nights I didn't want to go out in the first place. And then? The nights turned out to be some of the most awesome nights (and sunrises) I ever had.

You can't make memories in front of the TV.
So enjoy those summer nights coming and give them the chance to be one of these nights.







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Sonntag, 21. Juni 2015

[Das Wort zum Sonntag] I am home - but where's my heart?

Abenteuer erleben, fremde Kulturen aufsaugen und Notizzettel mit Worten in fremden Sprachen füllen, neue Menschen kennen lernen, sich verlieben... jeder will irgendwann mal weg, um die Welt zu entdecken. Und das Weggehen is ja auch relativ einfach - Urlaub nehmen, Flug buchen und weg... aber wie ist es mit dem Heimkommen?



Daheim ist erst einmal alles anders. Wenn man nicht aufpasst, fährt man versehentlich auf der linken Straßenseite und während man sich im Englischen noch beschwert hat, dass einem ständig die richtigen Worte fehlen, fallen sie einem plötzlich auf Deutsch nicht mehr ein. Und dann ist man natürlich auch der Exot, der Heimkehrer - mit spannenden Geschichten und einer beneidenswerten Bräune im Gepäck. Eine Woche werden Freunde und Bekannte besucht, Fotos ausgepackt und Geschichten erzählt. Doch der letzte Sand ist bald aus der Handtasche geschüttelt und die Anekdoten schmecken schal beim Erzählen, weil sie doch niemand so witzig findet, der eben nicht dabei war. Und dann... kommt der Alltag zurück. Mit einem gewaltigen Knall.

Man wirkt gefragt: "Hast du deinen neuen Arbeitsvertrag schon unterschrieben?" "Hast du eine Haftpflicht abgeschlossen?" "Wie kommst du denn am Wochenende zu Oma Inges Geburtstagsfeier?" "Datest du grade jemanden?"
Alles so banal. Und frustrierend - weil man in der alten Wohnung sitzt und die gleichen Wege zur Arbeit fährt und die Freitagabende in den gleichen Bars verbringt. So, als hätte sich nicht das Geringste verändert. Am liebsten würde man alle fragen, ob sie nicht merken, wie sehr man sich verändert hat. Unter den neuen Klamotten und unter der Bräune sind auch die Gedanken anders, die Erfahrungen, die man gemacht hat, die neuen Träume und Dinge, die einem jetzt wichtig sind

Und vergisst dabei schnell mal eines: Auch die anderen haben sich umso mehr verändert, je länger man weg war. Beziehungen sind zerbrochen oder neue enstanden, Jobs wurden gewechselt, neue Wohnungen bezogen. Das Leben ging weiter - ohne einen. Man fühlt sich nicht mehr wirklich zugehörig. Fehl am Platz. Man hat Geburtstagsfeiern verpasst. Und der besten Freundin keine Packung Ben & Jerry's vorbei gebracht, als es ihr nach der Trennung so richtig dreckig ging. Natürlich sagt sie, dass es nicht schlimm ist... aber irgendwie ist es das doch. Man ist verärgert. Ein bisschen verloren. So, als würde man zwar wieder in Deutschland sein, aber immer noch eine fremde Sprache sprechen. Zu Hause, aber doch nicht mehr daheim.

Also bucht man die nächste Reise.
Es heißt, wir haben Fernweh. Aber in Wahrheit tut es nur zu sehr weh, nicht mehr da ankommen zu können, wo wir mal hingehört haben. Und deswegen wollen wir wieder fort - um selbst zu bestimmen, wo und wann wir uns verloren fühlen und wo wir ankommen.


Hattet ihr nach dem Reisen auch schon mal das Gefühl, zwar zu Hause zu sein, 
aber irgendwie nicht so richtig daheim?


Edit:
Auf Arianes Blog Heldenwetter gibt es grade eine tolle Blogparade zu dem Thema, falls ihr mal dort vorbei hüpfen möchtet.
EN
At one point in their lives, everybody wants to go on an adventure, to experience new cultures, to write down words in a foreign language on a post-it or to get to know new people and fall in love with a stranger. And it’s easy to just leave – you take a holiday, book a flight and just go… but what’s happening once you come back home? 

Well, first of all, everything’s different at home. If you do not take care, you might be driving on the wrong side of the street and while you were explaining yourself that you can’t express yourself in English properly, you miss the right German words now. Oh, and of course you are the exotic traveler amongst your friends now. For a week, you visit your family and friends and you tell them about your adventures and they admire your tan and your photographs. Nevertheless, soon you don’t find any more sand in your shoes and socks and purses and the stories you tell don’t seem really funny when you tell them – because the people you talk to haven’t been there. And then, all of a sudden, daily rountine is back! 

Instead of asking you about your trip, people want to know: „Did you sign your contracts already?“ “Did you buy insurance?” “Can you drive us to grandma’s birthday party on Saturday?” „Are you seeing someone special at the moment?“ It seems all so ordinary. You sit in your same old flat, take the same way to work as always and spend the Fridays in the same old bars – just like nothing has changed while you’ve been away. Why can’t people see that you’ve changed? Under these new clothes and this nice tan, you have new thoughts, you made new experiences and you have different dreams and other things than before are important to you. 

But there’s one thing you forget too easily: The longer you’ve been away, the more your friends changed as well: there have been break-ups and new relationships, new jobs and apartments. Life has been going on without you and you feel like you don’t belong there anymore. You missed birthday parties and you haven’t been there to buy your best friend some Ben & Jerry’s after her break-up. She says it doesn’t mind… but it does. It makes you feel angry. And lost. It’s like you’re back in Germany but you’re still speaking a foreign language. You’re at home but your heart has not arrived there yet. 

So you just book your next trip. Because what they call wanderlust is not really the lust to wander – it’s more the hope to find a place where you can feel home again. You leave -  to have control again by desciding yourself in what place you want to feel lost and where you want to feel like you belong… even if it’s just for some time. 

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Sonntag, 14. Juni 2015

[Das Wort zum Sonntag] Ich denke zu viel.

"Vor zwei Monaten dachte ich, dass ich mich jetzt endlich entspannen kann. Und in den letzten zwei Wochen sind auf einmal zwei große Probleme gleichzeitig entstanden. Leider bis du eines davon."
Ich verspüre das dringende Bedürfnis nach einer Zigarette und frischer Luft. Jetzt sofort. Ich wollte doch niemals jemandem das Gefühl geben, ihn hängen zu lassen. Ich schau aus dem Fenster auf die Kirchtürme hinter dem Lamellenvorhand. Draußen scheint die Sonne, hier drinnen ist es klimatisiert, aber ich spüre wie meine Handflächen feucht werden und meine Augen brennen. Jetzt bloß zusammen reißen.
"Ich weiß, mein Timing ist nicht gut", bringe ich raus und räuspere mich, ärgere mich weil meine Stimme so zittrig ist, wie ich mich fühle, "Aber ich weiß auch, dass ich mich richtig entschieden habe."
Er schenkt mir so einen vorwurfsvoll-enttäuschten Blick, dann zückt er seinen Stift und macht sich an die Checkliste für den Firmenaustritt. Und ich sitze daneben und fühle mich, als wäre ich ein Wasserball und jemand würde grade die Luft aus mir raus lassen...

Und zu Hause denk ich dann fröhlich noch ein bisschen weiter. An die Situation mit meinem Chef. Und an die mit meiner Freundin da neulich. Und dann an die mit diesem einen Kerl damals, der... Ich zerdenk die Dinge, ich überanalysier sie soweit bis nur noch Fragmente davon übrig sind, die überhaupt keinen Sinn machen - wie so ein blödes Ikea-Regal ohne die Bauanleitung.

Die Kommunikation zwischen Individuen verläuft von Sender zu Empfänger über unterschiedliche Ebenen. Und wenn mir jemand etwas auf der Sachebene mitteilt, dann empfange ich auf der Beziehungsebene. Nicht immer, aber eigentlich immer öfter als die Dinge einfach sachlich so zu betrachten, wie sie sind. Und die Beziehungsebene ist immer die anstrengendere der beiden. Die ist gespickt mit Vorwürfen und Zurückweisung, mit Enttäuschung und mit Tadel, der vielleicht gar nicht da ist. Wenn mir jemand sagt: "Punkt." dann höre ich "Punkt, Komma, Strich, Fragezeichen, Ausrufezeichen. Einspruch abgelehnt."

Und das ist anstrengend. Das ist eine dauerhafte Achterbahnfahrt, bei der der Magen Kapriolen schlägt und sich gar nicht mehr beruhigen will, weil man gleich in den nächsten Looping einfährt.
Nicht enttäuschen zu wollen, Aussagen umzudrehen und auf sich zu beziehen, das ist mangelndes Selbstbewusstsein, sagen die einen. Eine ganz besondre Form von Narzissmus die anderen.
Ich würd behaupten es liegt daran, dass manche Leute einfach dünnhäutiger sind, mehr Nuancen aufnehmen als andere. Was ja prinzipiell nichts schlechtes ist, so um Umgang mit Mitmenschen. Da ist es ja gut, mitzufühlen, verstehen zu wollen, ein harmonisches Miteinander zu haben.
Aber das Leben ist halt mal kein Zen-Garten ausgerichtet nach dem Feng-Shui-Prinzip. Man darf nicht vergessen, was für einen selbst wichtig ist - nur um bloß die heilige Harmonie zu bewahren. Es wird nämlich einfach immer Menschen geben, die man einfach nicht versteht - weil die auf einer komplett anderen Frequenz senden. Und in Dothraki.

Nicht alles ist gemeint, wie es gesagt wird und vieles, von dem man glaubt, dass es gemeint aber nicht gesagt wird, ist es auch gar nicht wert, dass man sich den Kopf darüber zerbricht.




"Two months ago, I thought I could finally relax. But in the last two weeks, two major problems were popping up. And unfortunately you are one of them."
I feel the desperate urge for a cigarette and some fresh air. Right now. I never wanted to give anywone the feeling of letting them down. I look out the window, it's sunny outside. In here, the air-conditioning is running but I am feeling hot and my eyes sting. Pull yourself together! 
"I know, it's not exactly the perfect timing", I say, my voice quavering and it makes me angry to sound like I feel, "But I also know that this is the right decision for me."
He looks at me reproachfully and disappointedly, takes his pencil and starts filling in the companies' termination checklist form. With me sitting right next to him, feeling like a water ball being deflated...

Well and at home? I go on thinking. I think about the situation with my boss. And the situation with a friend of mine some time ago. And then there's this guy who... I overthink the things. I analyze them so much, that in the end, there are only small pieces of the original situation left. And these pieces don't make sense at all. It's like putting together the parts of some goddamn IKEA furniture without the manual.

Communication between two individuals takes place between sender and receiver, whereby there are different levels. If somebody is telling me something on the factual level, I am receiving on the relationship level. Not always, but more often then looking at the things said to me objectively and unemotional. It is to say that the relationship level is always the more strenuous of the two levels. It's full of accusations, rejections, disappointment and blame. But the worst thing is: all these feelings might not even really be there and said. If somebody says: "Dot.", that's what I hear: "Dot, comma, dash, question mark, exclamation point, period!"


And that's exhausting. It's like a non-stop rollercoaster ride and every looping turns your stomach and makes you feel queasy and before you can relax and recover - you get the next looping.
Some people say, it's a form of narcissism if you interpret all signals send by your environment are meant for you. Some say, it's only weak self-esteem. I would say, it's just that some people are more sensitive than others and can receive a lot more shades of a conversation than others. And all in all, I don't think it is a bad thing to look closely at others and try to understand what they are thinking and why they are doing certain things. Showing empathy makes being together a lot more pleasant normally.

As long as you don't forget to stand your ground and still do the things that are important to you - instead of only looking for a harmonic together. There will always be people you won't understand - because their messages are sent on a completely different frequency. And in Dothraki.

Not everything is meant as it's said and many things you think are meant and not said are not worth wracking your brain.
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Samstag, 6. Juni 2015

[Das Wort zum Sonntag] Eine etwas andere Fernbeziehung.

Ich muss lächeln, als ich den Hörer auflege. Nicht, weil ich froh bin, dass das Gespräch beendet ist, sondern weil die letzten 57 Minuten und 43 Sekunden meinen Tag und meine Gedanken wieder in die richtige Perspektive gerückt haben. Mit so wenig Zeit können das nur wenige Menschen.

Wir führen diese Art von Beziehung jetzt schon seit Jahren.Und dennoch ist jedes Gespräch so, als würden uns nicht seit Monaten 100 oder auch mal 1000 Kilometer trennen. Unsere Gespräche brauchen keinen Smalltalk. Unsere Gespräche brauchen keine Aufwärmphase. Weil es kaum einen Menschen gibt, der mich besser versteht, weil es kaum Menschen gibt die ich länger kenne. Die ich länger kenne als sie. Meine älteste Freundin.
Manchmal tut es noch weh, getrennt zu sein. Manchmal ist es schwierig, nicht kurz vorbei fahren zu können auf einen Tee oder einen Wein oder einen Mädelsabend. Ich kann nicht immer mit ihr sprechen, wenn ich das Bedürfnis habe, mich auszuheulen oder etwas zu teilen. Ich kann nicht immer für sie da sein, wie man gerne für Menschen da sein möchte, die einem viel bedeuten. Ich kann nicht die perfekte beste Freundin für sie sein - und sie nicht für mich. Aber was bedeutet schon perfekt?

Die Distanz ist es nämlich schlussendlich, die diese Freundschaft so besonders gemacht hat - weil sie uns gezeigt hat, dass wir es uns wert sind und wie tief verwurzelt sie ist. 
Eine Freundschaft über diese Entfernung aufrecht zu halten, bedeutet Arbeit. Bedeutet, dem anderen auch mal verzeihen zu können, dass er nicht da sein konnte. Bedeutet, dass der andere verzeiht, wenn man nicht da sein könnte, wenn man nicht zuhören konnte. Manchmal ist das Hörer auflegen schlimm, weil man noch so viel zu teilen hätte. Manchmal möchte man das Handy auch wütend in die Ecke knallen, weil man die Ehrlichkeit vom Gegenüber nicht hören will - vor allem nicht übers Telefon, wo alles gleich noch mal doppelt so hart klingt.

Und dennoch ist diese Fernbeziehung die längste, die ich in meinem Leben je hatte. Und es ist die einzige, die je funktioniert hat.
Kein einziges verheultes Telefongespräch möchte ich missen, weil wir den anderen doch immer irgendwie trösten konnten. Kein fröhliches Wiedersehen, keinen traurigen Abschied. Denn all diese gemeinsamen Erfahrungen sind es, die uns zusammengeschweißt haben und die uns zu dem gemacht haben, was wir sind - zutiefst vertaut und untrennbar.



I put the phone down smiling. Not because I am happy to finally end the conversation but because the last 57 minutes and 43 seconds have been a relief. They put everything back in perspective - and there's not a lot of people that can put me back on track in such a short time.

We are having this kind of relationship for years now. And although we can only talk on the phone because there are hundreds - and sometimes thousands - of kilometers between us, we never have to start with making small talk. We dive right into our experiences, our wishes and dreams and worst fears when we tell our stories to each other. There is nobody who knows me better. There is no one but my parents who knows me for a longer time than my oldest friend does.

Sometimes it still hurts to be apart. Sometimes it feels hard to not be able to drive by for a cup of tea or coffee or some wine and a quick chat and a girl's night. I can't talk to her everytime I get the feeling I need to tell her something and I can't always be there for her, when she gets the same feeling. I can't be the "perfect" friend for her and she can't be the perfect friend for me.

But that's what long-distance friendships are about - the distance proves how much the relationships is really worth and how many dark clouds it can take.
It's hard work to keep up a friendship over that distance. It means to forgive the other one if she couldn't be there when you needed her. It means that the other one forgives you, if you couldn't be there when she needed you. Sometimes it feels terrible to put down the phone because there's still so many stories to tell. Sometimes you just want to throw your phone out of the window because you don't want to hear what she is telling you - because honesty sounds even harder if you can't say it face to face.

And still... I wouldn't miss a minute of our friendship.
Not one talk where one of us cried on the phone and the other one could still be there for comfort somehow. Not one happy reunion or sad goodbye. Because it's all these shared memories that made us feel at home with each other.



Danke an meine "Fern-Freundin" für das Telefongespräch, das mich wieder auf die Füße gebracht hat, dieses Wochenende.
Und ein Danke an Lina Mallon, die mich mit ihrem Sonntagsbeitrag neulich zu diesem Post inspiriert hat!

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Sonntag, 31. Mai 2015

[Das Wort zum Sonntag] Brauch ich das eigentlich wirklich?

Ich stehe vor meinen Umzugskartons, die Finger kribbeln und ich öffne die braunen Kartondeckel, ziehe die Schätze heraus, die während meiner Abwesenheit auf dem Dachboden verstaut waren. Doch die Freude, die ich erwartet hatte, beim Anblick meiner Kleider, meiner Schuhe, meiner Schals, meiner Jacken, meiner Bücher, meiner DVDs, meiner sämtlichen anderen Sachen zu verspüren - bleibt irgendwie aus. Stattdessen im Hinterkopf die dumpfe Stimme: Krass, hast du viel Krempel! Brauchst du das eigentlich wirklich!?

Ich habe gerne neue Sachen und ich kaufe gerne ein, wenn ich es mir leisten kann, das ist keine Frage. Doch die Frage ist: Kaufe ich mir diese Dinge wirklich, weil ich sie gerne möchte, weil sie mir wichtig sind und etwas bedeuten - oder kaufe ich sie mir, weil mir von Freunden, Bekannten, Werbung und Instagram vorgegaukelt wird, ich bräuchte sie, um glücklich zu sein?

Consumerism heißt das auf Neu-Deutsch, eben das übersteigerte Konsumverhalten, das man an den Tag legt um möglichst Individualität, Identität und Glück darin zu finden. Und natürlich, um sich der Gesellschaft anzupassen.
Die Halbwertszeit von allem, was wir besitzen scheint immer kürzer zu werden. Habe ich früher die alten Hosen noch getragen, bis sie Hochwasser waren, kaufe ich mir jetzt jede Saison Neue. Mit einem neuen Vertrag kommt ein neues Handy und die Schuhe trage ich ja eh nur einen Sommer... dann hab ich mich satt gesehen. Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass sich der Konsumismus unserer Zeit nicht nur auf materielle Dinge beschränkt. Beziehungen sind austauschbar, auf Tinder kann ja schließlich ausgewählt werden, wie bei Edeka.Wenn's nicht gefällt? Wird's nicht mehr gekauft. Ist ja noch genügend Auswahl auf Lager.

Wann habt ihr euch das letzte Mal die Mühe gemacht, den Riss in einem T-Shirt zu flicken?
Wann habt ihr das letzte Mal beschlossen, euer altes Handy zu behalten, obwohl es Kratzer hat, statt zwei Jahre lang das neue iPhone6 abzubezahlen?
Wann habt ihr das letzte Mal beschlossen: Ich mag ihn... aber ich renn doch keinem Kerl nach? Und habt es danach bereut, nicht auf Risiko gegangen zu sein...

Denkt mal drüber nach. Mistet euren Schrank aus, füttert euren Kleiderkreisel-Account - und vor allem. Bevor ihr die Kreditkarten durchzieht, fragt euch mal ganz offen und ehrlich: Brauch ich das jetzt wirklich? Oder will ich es nur, weil alle es haben?

Die Hälfte meiner Umzugskartons ist übrigens inzwischen wieder gepackt - mit alten Sachen, mit Sachen die mir nicht mehr gefallen, mit Sachen, die ich nicht mehr brauche. Und die landen jetzt dort, wo sie hoffentlich jemand anders haben möchte - auf dem Flohmarkt, auf Kleiderkreisel und beim roten Kreuz. Da sind sie nämlich besser aufgehoben, als zum Staub fangen bei mir.




EN
I am standing in my flat - cardboard boxes in front of my. With prickling sensation in my fingers, I open the boxes that have been stored at the attic during my time abroad. But strangely, I don't feel the happiness I expected to feel when seeing all my stuff again - all these clothes and shoes and scarves and jackets and books and DVDs... all these things. All I can think of is: Do I really need them?

I mean, I like buying new things if I can afford them. But the questions is: Do I buy these things, because I really want to have them and because they make me happy? Or do I buy them, because I am lead to the belief that I need them to be happy?

Consumerism is the word for our behaviour - consuming for the sake of individuality and identity and happiness. Consuming to be part of the society and of the modern times.
I get the feeling that the half-life of everything we buy is just getting shorter and shorter. When I was a child, I used to wear my pants until I grew out of them. I was wearing my sneakers until the soles had holes. I used to have a Nokia in black and white - for like years. Now I am buying new clothes for every season. I can't stand wearing the old ones for two summers in a row and with a new mobile phone contract comes a new phone as well.
Sometimes I even feel like consumerism started to work against relationships as well. They are disposable, we are replaceable. Tinder and the likes work like a convenience store - if you don't like it, take something else, there's plenty on stock.

When did you fix a ripped shirt for the last time instead of buying a new one?
When did you get new soles for your shoes because they still looked fine instead of throwing them away?
When did you decide for the last time: I like the guy... but I am not going to run after him - and felt bad afterwards?

So before you swipe your credit card next time, just think about it and trust your guts if you ask yourself: Do I really need that now?
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Freitag, 29. Mai 2015

Goodybe seems to be the hardest word.


Wir rollen langsam voran. Dann kann ich das laute Geräusch der startenden Maschinen hören, der Druck presst mich in den Sitz und in dem Moment, in dem mein Bauch einen Satz macht und wir abheben, laufen mir schon wieder die Tränen über die Wangen. Ich bin froh, dass ich nicht am Fenster sitze. Ich bin froh, dass ich Cape Town unter mir nicht kleiner werden sehe. Und ich bin froh, dass die Passagiere alle mit sich selbst beschäftigt sind und keiner mitbekommt, dass sich all die Abschiede noch mal in meinem Kopf wiederholen.

Nach dem Morgenkaffee der Abschied von etwas, das eine Beziehung hätte werden können - oder auch nicht. Verlegen. Verkrampft. Worte liegen mir auf dem Herzen, aber schaffen es nicht über meine Zunge. Alles was bleibt ist ein letztes Mal festhalten, ein letztes Mal tief den Duft einatmen - und gehen. Die Frage nach einer Zukunft stellt sich nicht mehr. Dann das Brennen in den Augen zurück halten und das Kribbeln auf den Lippen von der letzten Berührung in heißem Kaffee ertränken. 

Von Camps Bay nach Muizenberg. Abschied von meiner Wohnung. Unwillkommen fühlt man sich, alles leer. Es riecht abgestanden, als wäre ich schon lang nicht mehr hier. Auf dem Küchentisch liegt ein Brief. "An Kathi". Ich stecke ihn ein, in die Jackentasche, zu meinem schweren Herzen und fahre los zum Flughafen. Ein letztes Mal M5, ein letztes Mal Tafelberg, ein letztes Mal das Meer sehen. 

Check-In. Und dann stehen sie da: Meine Mitbewohner! Ich bekomme eine Ehrenfahrt auf dem Gepäcktrolly zum nächsten gemeinsamen Mittagessen. Kann nichts essen und muss lachen und weinen. So viele gemeinsame Erinnerungen. So viele gemeinsame Momente. Alles nochmal aufgerollt, aufgewärmt. Für mich, zum mitnehmen.

Dann zum Gate. Passkontrolle. Ein letztes Mal winken und meine Zeit in Kapstadt ist vorbei.
Und jetzt sitze ich auf 24F und das Land, das sich in den letzten Wochen immer mehr wie Zuhause angefühlt hat, wird unter mir immer kleiner und kleiner und fühle mich so heimatlos und verlassen, wie schon lange nicht mehr.
Und alles, was ich sagen kann ist: Tot siens, Südafrika. Auf bald. Hoffentlich.

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Sonntag, 10. Mai 2015

[Das Wort zum Sontag] An meine Mama.

Na, seid ehrlich: habt ihr gestern noch schnell die MonChérie-Packung aus dem Oster-Restverkauf bei Edeka eingesackt, um sie heute mit einem Blumenstrauß von Aldi der Mutti oder Omi in die Hand zu drücken?

Ich muss gestehen, ich bin ja kein Fan von sämtlichen erzwungenen Feiertagen (allen voran natürlich dem Valentinstag, aber das ist wieder ne andre Geschichte...) aber manchmal muss man wirklich dran erinnert werden, seinen Lieben zu sagen, das man sie lieb hat. Schade eigentlich, aber man bringt's viel zu selten über die Lippen. Zumindest geht es mir so. Ich liebe Kaffee, Frozen Yoghurt, den Geruch von Flieder und einen Tag am Meer. Und meine Mami, die liebe ich natürlich auch. Aber wann hab ich ihr das zum letzten Mal so frei gesagt, wie ich allen Leuten von meiner Liebe zu Koffein erzähle? Sicher ist es schon zu lange her!

Deswegen (und weil ich weiß, dass meine Mami vielleicht doch mal einen Blick auf meinen Blog wirft, um zu erfahren, was ich hier auf einem anderen Kontinent treibe) werde ich jetzt hier eine ganz öffentliche Liebesbekundung an die wundervolle Frau loswerden, die den meisten Einfluss auf mein Leben hatte. Sei es als die gefühlte böse Stiefmutter während der Pubertät, gandalfesquer Ratgeber, Schulter zum Anlehnen oder Freundin.



Ich hab von dir gelernt, dass man sich nicht schämen muss für die Person, die man ist.
Ich hab von dir gelernt, dass man manchmal auch einfach um Hilfe fragen muss.
Ich hab von dir gelernt, dass Geld eben nicht alles im Leben ist.
Ich hab von dir gelernt, wie man auf Oberpfälzisch "Oachkatzlschwoaf" (Eichhörnchenschwanz für alle Nordlichter) sagt und dass man zum Dirndl echt keine Turnschuhe trägt.
Ich hab von dir gelernt, wie man die besten Thunfischspaghetti macht.
Ich hab von dir gelernt, dass Träume Zeit brauchen - aber man kann sie wahr machen, wenn man sie nur hartnäckig genug verfolgt.
Ich hab deine Kaffeesucht geerbt und das Stresserella-Gen, deinen schwarzen Humor und deine Zuversicht, dein Kinn, deine Figur und deine kreative Ader. Und ich bin dankbar für alles davon.
Ich hab dich lieb!



Wie steht's mit euch? 
Was habt ihr von eurer Mama mit auf den Weg bekommen?
Und verbringt ihr den heutigen Tag mit ihr?



Übrigens: falls du das lesen solltest, Mama: Warum gibt es eigentlich kein Foto von uns zusammen, auf dem ich älter bin als 6 Monate und  auf dem ich nicht mit Eiskaffee oder Kartoffelbrei gefüttert werde?

Und noch mal übrigens: meine Koffeinsucht, von der ich vorhin noch gesprochen habe, ist also offensichtlich frühkindliche Prägung. Ich bin völlig unschuldig in dieser Angelegenheit.
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Sonntag, 19. April 2015

[Das Wort zum Sonntag] Am falschen Ort geboren.

"Woher kommt ihr?", frage ich meine Schüler am ersten Tag unseres Computerkurses.
Die Antworten sind bunt gemischt. "Aus dem Kongo." "Somalia." "Ich komme aus Swasiland." "Namibia." "Soweto."
"Und was wünscht ihr euch von diesem Kurs hier?"
"Wir wollen mehr über den Computer lernen."

 Abschlussfoto mit unserem ersten Kurs. Nur glückliche Gesichter!
 
Sie wirken in meinen Augen nicht unbedingt wie die tickenden Zeitbomben, als die sie von Zulu König Goodwill Zwelithini und Edward Zuma, dem Sohn des Präsidenten betitelt wurde. Im Gegenteil, das einzige was bei ihnen tickt, ist vielleicht die Uhr im Hintergrund, die mir sagt, dass wir schon wieder fast ein Drittel des Kurses damit verschwendet haben, auf die Nachzügler zu warten. Pünktlichkeit ist nämlich in Südafrika sehr optional. 

Aber Pride und Soslinah und Vivien und Welcome und Zusuliwe haben Glück, dass sie hier sitzen. In meinem Kurs. Und nicht in irgendeinem Kurs irgendwo weiter oben im Norden, in Johannesburg oder Durban wo die unbedachten, hasserfüllten Worte eines Zulu-Königs einen Ausbruch fremdenfeindlicher Gewalt ausgelöst hat.
Auf den Straßen werden Menschen mit Benzin überschüttet, es werden Kinder getreten, Frauen geschlagen und Geschäfte ausgebrannt. Das alles passiert tausende Kilometer weg von mir. Doch es passiert in dem Land, in dem ich mich im Moment befinde und es passiert in dem Moment, in dem ich - selbst ein Ausländer hier - anderen Ausländern erkläre, wie sie die Maus benutzen und wie sie sich das Internet vorstellen können. 

Der Gedanke bringt mich zum Schaudern. Wir sind alle Ausländer hier. Sie und ich und der Manager unseres Labs und meine Nachbarn und deren Nachbarn. Und wir alle sind hierher gekommen, weil Südafrika uns hier wollte, uns heir brauchte. Und welche Macht hat überhaupt ein Zulu-König, über ein demokratisch regiertes Land zu bestimmen, es so stark zu beeinflussen?
Ich blicke über meine Klasse.
Sie alle leben im Township. Sie haben nicht genug Geld, um sich ein Auto zu leiste oder Zigaretten oder manchmal nicht mal für ein anständiges Mittagessen. Und sie sollen eine Gefahr darstellen für dieses Land? Für ein Land, das ihnen immerhin noch ein bisschen mehr Chancen bieten könnte, als ihr Heimatland, dass sie verlassen haben. Ihr einziger Fehler war, in eben diesem Land geboren zu sein. Absurderweise kann ich nicht sehen, woher sie stammen. Für mich sind sie alle einfach schwarz. Und alle gleich in ihrem Bedürfnis, zu lernen und voran zu kommen in ihrem Leben. Was macht da ihr Geburtsland also schon für einen Unterschied?

 Quelle: dpa via Die Welt



Übrigens gibt's zu genau diesem Thema auf dem Blog MuhKuhAddict gerade die tolle Beitragsreihe "Eine Bühne für Bunt", deren Anlass natürlich nicht unbedingt der Schönste ist. 
Trotzdem freu ich mich sehr, mit meinem Beitrag auf der Bühne zu stehen und ich hoffe, es finden sich noch ein paar, die vielleicht auch mit dabei sein wollen und einen Beitrag gegen Fremdenfeindlichkeit verfassen möchten - schließlich sind wir Blogger und was wir haben ist unsere Stimme. Also würde ich mich freuen, wenn ihr mitmacht und auch colourful seid.


 
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