Samstag, 6. Juni 2015

[Das Wort zum Sonntag] Eine etwas andere Fernbeziehung.

Ich muss lächeln, als ich den Hörer auflege. Nicht, weil ich froh bin, dass das Gespräch beendet ist, sondern weil die letzten 57 Minuten und 43 Sekunden meinen Tag und meine Gedanken wieder in die richtige Perspektive gerückt haben. Mit so wenig Zeit können das nur wenige Menschen.

Wir führen diese Art von Beziehung jetzt schon seit Jahren.Und dennoch ist jedes Gespräch so, als würden uns nicht seit Monaten 100 oder auch mal 1000 Kilometer trennen. Unsere Gespräche brauchen keinen Smalltalk. Unsere Gespräche brauchen keine Aufwärmphase. Weil es kaum einen Menschen gibt, der mich besser versteht, weil es kaum Menschen gibt die ich länger kenne. Die ich länger kenne als sie. Meine älteste Freundin.
Manchmal tut es noch weh, getrennt zu sein. Manchmal ist es schwierig, nicht kurz vorbei fahren zu können auf einen Tee oder einen Wein oder einen Mädelsabend. Ich kann nicht immer mit ihr sprechen, wenn ich das Bedürfnis habe, mich auszuheulen oder etwas zu teilen. Ich kann nicht immer für sie da sein, wie man gerne für Menschen da sein möchte, die einem viel bedeuten. Ich kann nicht die perfekte beste Freundin für sie sein - und sie nicht für mich. Aber was bedeutet schon perfekt?

Die Distanz ist es nämlich schlussendlich, die diese Freundschaft so besonders gemacht hat - weil sie uns gezeigt hat, dass wir es uns wert sind und wie tief verwurzelt sie ist. 
Eine Freundschaft über diese Entfernung aufrecht zu halten, bedeutet Arbeit. Bedeutet, dem anderen auch mal verzeihen zu können, dass er nicht da sein konnte. Bedeutet, dass der andere verzeiht, wenn man nicht da sein könnte, wenn man nicht zuhören konnte. Manchmal ist das Hörer auflegen schlimm, weil man noch so viel zu teilen hätte. Manchmal möchte man das Handy auch wütend in die Ecke knallen, weil man die Ehrlichkeit vom Gegenüber nicht hören will - vor allem nicht übers Telefon, wo alles gleich noch mal doppelt so hart klingt.

Und dennoch ist diese Fernbeziehung die längste, die ich in meinem Leben je hatte. Und es ist die einzige, die je funktioniert hat.
Kein einziges verheultes Telefongespräch möchte ich missen, weil wir den anderen doch immer irgendwie trösten konnten. Kein fröhliches Wiedersehen, keinen traurigen Abschied. Denn all diese gemeinsamen Erfahrungen sind es, die uns zusammengeschweißt haben und die uns zu dem gemacht haben, was wir sind - zutiefst vertaut und untrennbar.



I put the phone down smiling. Not because I am happy to finally end the conversation but because the last 57 minutes and 43 seconds have been a relief. They put everything back in perspective - and there's not a lot of people that can put me back on track in such a short time.

We are having this kind of relationship for years now. And although we can only talk on the phone because there are hundreds - and sometimes thousands - of kilometers between us, we never have to start with making small talk. We dive right into our experiences, our wishes and dreams and worst fears when we tell our stories to each other. There is nobody who knows me better. There is no one but my parents who knows me for a longer time than my oldest friend does.

Sometimes it still hurts to be apart. Sometimes it feels hard to not be able to drive by for a cup of tea or coffee or some wine and a quick chat and a girl's night. I can't talk to her everytime I get the feeling I need to tell her something and I can't always be there for her, when she gets the same feeling. I can't be the "perfect" friend for her and she can't be the perfect friend for me.

But that's what long-distance friendships are about - the distance proves how much the relationships is really worth and how many dark clouds it can take.
It's hard work to keep up a friendship over that distance. It means to forgive the other one if she couldn't be there when you needed her. It means that the other one forgives you, if you couldn't be there when she needed you. Sometimes it feels terrible to put down the phone because there's still so many stories to tell. Sometimes you just want to throw your phone out of the window because you don't want to hear what she is telling you - because honesty sounds even harder if you can't say it face to face.

And still... I wouldn't miss a minute of our friendship.
Not one talk where one of us cried on the phone and the other one could still be there for comfort somehow. Not one happy reunion or sad goodbye. Because it's all these shared memories that made us feel at home with each other.



Danke an meine "Fern-Freundin" für das Telefongespräch, das mich wieder auf die Füße gebracht hat, dieses Wochenende.
Und ein Danke an Lina Mallon, die mich mit ihrem Sonntagsbeitrag neulich zu diesem Post inspiriert hat!

10 Kommentare:

  1. Hach. Einfach nur hach. Wenn man so eine hat braucht man doch eigentlich gar keine anderen mehr :)
    Ich drück dich, Mia

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  2. Oh das kann ich sehr gut nachvollziehen! Meine engste Freundin/gefährtin ist gerade auf diesem verdammt weiten Kontinent namens Amerika und trotzdem ist sie immernoch einer der vetrautesten und wichtigsten Wesen in meinem Dasein und fast jeden Tag haben wir entweder für ein paar Minuten oder für etliche Stunden Kontakt.
    Ich wollte dir allerdings eigentlich etwas ganz anderes schreiben, nämlich klarstellen, dass ich gar nicht mehr "On the Road" bin, sondern schon längst wieder in die Schule gehe und im Alltag mehr oder weniger angekommen bin. Ich war auf der Reise eigentlich komplett isoliert und habe erst als ich zurück war mit dem Veröffentlichen der Fotos angefangen. Es gibt also gar keinen Grund neidisch zu sein!
    Liebste Grüße,
    Lea

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  3. So wahr und so schön! "Distance makes the heart grow fonder" stimmt finde ich ganz besonders bei Mädchen-Freundschaften : ) Auch wenn ich meine Lieblingsdame nur alle drei Monate sehe, weiß wirklich niemand sonst was so alles bei mir passiert und was ich fühle.
    Liebe Grüße,
    Céline von http://smultronstaellen.blogspot.co.uk

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  4. WoW du schreibst große Klasse! Sehr schön, hört sich nach einer tollen Freundschaft an, trotz 100 km die euch trennen.. <3

    xx,
    Mary von www.mintmary.com

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    1. Ohhhh, danke für das liebe Kompliment! :)

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  5. So schöner Text und so geht es mir mit meiner besten Freundin - ich bin ihr hinterher gezogen und nun ist sie ihren Freund hinterher gezogen ... das machte mich super traurig aber ein kleines und kurzes Gespräch reicht aus um einen wieder froh und munter zu stimmen.
    Liebe Grüße
    Mai xox

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    1. Das man den Kontakt hält und nicht verliert, ist die Hauptsache. Solange man noch regelmäßig redet, finde ich, kann man jede Entfernung irgendwie überbrücken. Ich bin mir sicher, ihr kriegt das auch gut hin :)

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  6. :-) "Manchmal ist es schwierig, nicht kurz vorbei fahren zu können, Ich kann nicht immer mit ihr sprechen, wenn ich das Bedürfnis habe, mich auszuheulen oder etwas zu teilen. Ich kann nicht immer für sie da sein, wie man gerne für Menschen da sein möchte, die einem viel bedeuten."

    Deine Worte erinnern mich stark an meine Fernbeziehung, die ich zu Beginn mit meinem Mann geführt habe.
    2 Jahre hat es gedauert, bis ich mich damals entschied von Berlin nach Hessen zu ziehen.
    Dabei denke ich gerade daran, wie wahnsinnig schnell die Zeit vergeht.
    Das ist auch schon wieder über 10 Jahre her. :-) Toller Text!


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    1. Wow, zwei Jahre ist eine wirklich lange Zeit. Aber das schöne ist: Es gibt einfach Menschen, für die ist es das alles wert und es freut mich, dass es bei dir genau so ist und ein Happy Ending gibt hihi :)

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  7. oh so ein schöner und süßer beitrag <3 das freut mich voll für dich! und deine aussagen sind auch teilweise auf eine fernbeziehung mit einem freund nachvollziehbar! kenn mich da aus :D

    Liebe Grüße <3

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